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Lili Boulanger

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Arrangements für: Klavier

2 Pieces for Violin and Piano (2 Stücke für Violine und Klavier)Cortège (Prozession)Psaume CXXX
Wikipedia
Lili Boulanger (* 21. August 1893 in Paris als Marie-Juliette Olga Boulanger; † 15. März 1918 in Mézy-sur-Seine (Département Yvelines) bei Paris) war eine französische Komponistin.
Sie stammte aus einer traditionsreichen Musikerfamilie. Ihre Mutter Raissa Myschezkaja (1858–1935) war Sängerin, ihr Vater Ernest (1815–1900) Komponist und ihre ältere Schwester Nadia Komponistin, Dirigentin und Musikpädagogin.
Die Boulangers hatten seit Ende des 18. Jahrhunderts in der Stadt Paris einen guten Ruf als eine exzellente Musikerfamilie. In ihrem offenen Haus hatten die Kinder von klein auf die Gelegenheit, von Schauspielern, Musikern, Dichtern, Schriftstellern und bildenden Künstlern umgeben zu sein. Zu den engen Freunden der Familie gehörten u. a. Charles Gounod, Jules Massenet und Camille Saint-Saëns.
Trotz einer chronischen Bronchialpneumonie und Morbus Crohn erhielt Lili Boulanger früh Unterricht in Orgel bei Louis Vierne, Klavier, Violoncello, Violine und Harfe. Sie war keine eingeschriebene Studentin, sondern begleitete ihre Schwester Nadia sporadisch – wenn es ihre Gesundheit erlaubte – ans Conservatoire de Paris. Ungefähr mit sieben Jahren probierte sie das dort Gehörte daheim am Klavier aus und begann dadurch, sich vieles selbst beizubringen. Die musikalischen Gespräche mit ihren Eltern waren ebenso prägend. Am 14. April 1900 starb Ernest Boulanger überraschend im Gespräch mit Nadia – ein Schock für die ganze Familie. Um diesen Schicksalsschlag zu verarbeiten, komponierte Lili mit elf Jahren das Lied La Lettre de Mort für Sopran Solo, das sich allerdings nicht erhalten hat. Auch weitere Werke aus dieser frühen Phase vernichtete sie später selbstkritisch.
Ihr erster öffentlicher Auftritt als Violinistin fand am 5. September 1901 statt. Um diese Zeit besuchte Lili auch den Kompositionsunterricht von Gabriel Fauré, traf in diesem Umfeld Charles Koechlin, Florent Schmitt und Maurice Ravel. Durch ihr Sprachtalent, das sie von ihrer Mutter geerbt hatte, sprach und verstand Lili auch Russisch, Deutsch und Italienisch. Da sie nicht regulär zur Schule gehen konnte, stellte sie sich selbst ein Literaturprogramm zusammen. Im weiteren Freundeskreis der Boulangers befand sich auch Raoul Pugno, der über Lilis musikalisches Talent dermaßen erstaunt war, dass er sie in ihrem Entschluss, Komponistin werden zu wollen, bedingungslos unterstützte. 1904 zogen die Boulangers in die Rue Ballu 36 unterhalb von Montmartre. Eine der Schlüsselpersonen in dieser Zeit war die fiktive Figur der Princesse Maleine aus dem gleichnamigen Stück des symbolistischen Dramatikers Maurice Maeterlinck: Maleine – mit der sich Lili am meisten identifizierte – war eine einsame Prinzessin, deren Reich zerstört war und deren Geliebter eine andere Prinzessin heiraten musste. Aus dieser Geschichte entwickelte sich nach und nach Lilis einzige Oper La Princesse Maleine, die unvollendet blieb.
Im Alter von sechzehn Jahren fasste Lili den Entschluss, Komponistin zu werden und, wie zuvor ihr Vater Ernest, den Grand Prix de Rome zu gewinnen. Zunächst befasste sie sich – aufgrund der Eindrücke in ihrem Umfeld – mit religiöser Musik, da sie auch durch die Arbeit ihrer Schwester Nadia als professionelle Orgelspielerin inspiriert wurde. 1904 erlebte Lili die Uraufführung des Psalms 47 von Florent Schmitt, das auch kompositorisches Vorbild für etliche ihrer späteren Kompositionen für Orgel, Orchester und v. a. Chor wurde. Das Ziel „Rom-Preis“ verfolgte sie trotz zahlreicher krankheitsbedingter Unterbrechungen, ebenso ihre weiterführenden kompositorischen Studien. Das 1912 verfasste Vokalquartett Renouveau wurde von der Kritik positiv aufgenommen.
Bereits 1912 versuchte Lili Boulanger, am Grand Prix de Rome teilzunehmen, zog sich aber wegen gesundheitlicher Probleme aus dem Wettbewerb zurück. Da generell die musikalische Qualität der Mitstreiter zu wünschen übrig ließ, wurde der Wettbewerb für dieses Jahr dann ganz abgesagt, wie Lilis Biografin Léonie Rosenstiel anmerkte. Es hielt Lili nahezu nichts davon ab, weiter zu komponieren. Mitte August 1912 stellte sie eines ihrer bekanntesten Werke, die Hymne au Soleil für gemischten Chor, fertig.
Nach nur einem Jahr intensiver Studien nahm Lili nochmals am Wettbewerb 1913 um den „Rom-Preis“ teil und gewann denselben als erste Frau überhaupt für ihre Komposition Faust et Hélène, eine Kantate für Tenor, Bariton, Mezzosopran und Orchester. Der Preis bestand in einem Aufenthalt in der Villa Medici in Rom und einem Stipendium. Außerdem schloss sie mit Ricordi einen Verlagsvertrag ab, der ihr künftig ein jährliches Gehalt sicherte.
Quasi über Nacht wurde Lili Boulanger so zu einer internationalen Berühmtheit. Die Zeitschrift Musica schrieb über ihren Erfolg:
„Vor mehreren Monaten warnte ich Musiker an dieser Stelle vor einer immanenten ‚rosa Gefahr‘: die Tatsachen ließen nicht lange auf sich warten, um mir Recht zu geben. Mlle Lili Boulanger hat im diesjährigen Rom-Wettbewerb über alle ihre männlichen Konkurrenten triumphiert und gewann den Ersten Großen Rompreis auf Anhieb (das erste Mal in der Endrunde), mit Souveränität, Tempo und Leichtigkeit; was die übrigen Kandidaten einigermaßen verstört zurückgelassen hat, schwitzten sie doch seit Jahren Blut und Wasser, um sich dem Preis unverdrossen zu nähern. Damit kein Irrtum aufkommt: Der Sieg ist hart verdient. Es war nicht so, dass die Juroren ihr ritterlich den ersten Platz überließen. Im Gegenteil, sie verfuhren mit dem 19-jährigen Mädchen sogar noch strenger als mit den übrigen Bewerbern. Die Frauenfeindlichkeit der Jury war bekannt. Der Eintritt einer Eva in das irdische Paradies der Villa Medici wurde von gewissen Patriarchen als totale Katastrophe gefürchtet. Der Präzedenzfall bei den Bildhauern (Mlle Lucienne Heuvelmans, Bildhauerin, hat den Prix de Rome von 1911 gewonnen und lebt bereits in der Villa Medici) vermochte ihre Aufregung nicht im Mindesten zu lindern. Folglich wurde die weibliche Kantate mit gnadenloser Aufmerksamkeit gehört, was ihr in dieser Atmosphäre den Stellenwert einer beeindruckenden und bedrohlichen feministischen Präsentation gab. Und es bedurfte der überwältigenden und unbestreitbaren Überlegenheit dieses Werks einer Frau, um über die Hausaufgaben der Studenten, in deren Gesellschaft sie sich befand, zu triumphieren.“
The Musical Leader kündigte 1913 Lili Boulanger so an:
„Eine Frau, Lilli Boulanger, die 19-jährige Tochter eines Gesangslehrers am Konservatorium, hat den Grand Prix de Rome gewonnen, wobei es das erste Mal in seiner 110-jährigen Geschichte ist, dass eine Frau den heißbegehrten Preis erhielt. Dass unter anderem so bemerkenswerte Komponisten wie Berlioz, Bizet, Gounod, Massenet, Debussy und Charpentier Rompreisträger waren, macht seinen Wert deutlich.“
Wenige Wochen nach dem Triumph um den Rom-Preis wurde die Kantate Faust et Hélène in Paris erstmals aufgeführt. Le Monde Musical:
„Mlle Lili Boulanger zeigt bereits eine glückliche Vorliebe für durchsichtige Melodien, eine geradezu erstaunliche Ader für das Theater, eine bewundernswerte Natürlichkeit im Ausdruck leidenschaftlicher Gefühle und eine starke gestalterische Kraft, die sich nicht in belanglose oder nebensächliche Einzelheiten verliert, was sofort verraten hätte, dass eine Frau die Musik komponierte. (…) Das Alter (…) und die weitere Arbeit werden die schon jetzt nicht zu leugnende Begabung zur Erfüllung bringen, eine Begabung, die sich mit Anmut paart. Dieser Meinung schien auch das Publikum zu sein, das so lange klatschte, bis die tief bewegte Mlle Lili Boulanger zusammen mit ihren hervorragenden Interpreten (…) auf der Bühne erschien.“
Während sich die Komponisten in der Endrunde des Wettbewerbs stürmisch und erhitzt zeigten, brachte Lili Boulanger mit ihrem bescheidenen und klaren Auftreten, ihrer ruhigen Haltung ohne jegliche Forcierung ihre Musiker – darunter auch Nadia Boulanger, die 1908 den Zweiten Grand Prix gewonnen hatte – zu Höchstleistungen, die die Seite der Männer kindisch aussehen ließ. Ihr Auftritt und ihre Leistung hatte eine Sensation ausgelöst, denn ab sofort durften in der Villa Medici auch Komponistinnen leben und arbeiten. 1913 gewann Lili Boulanger nicht nur ein Arbeitsstipendium dort, sondern auch in Paris ein Stipendium der Stiftung Yvonne de Gouy d’Arsy und den Prix Lepaulle für ihre Kompositionen Renouveau und Pour les Funérailles d’un Soldat.
Nach vielen weiteren Konzerten war Lili Boulangers Kraft allerdings schnell aufgebraucht: im Winter 1913 steckte sie sich bei Nadia Boulanger mit Masern an, sie erkrankte zusätzlich an einer bereits früher in Erscheinung getretenen Magen-Darm-Erkrankung und an einer schweren Lungenentzündung. In dieser Zeit erkannte sie auch, wie sehr ihr Leben an einem seidenen Faden hing – fortan komponierte sie wie in fieberhafter Eile, weil sie das Gefühl hatte, nicht alt zu werden. Zwar konnte Lili Boulanger ihr Stipendium in Rom noch antreten, ihr Leben dort aber infolge der gesundheitlichen Schwankungen nicht fortführen. Mit der Mobilmachung am 1. August 1914 zum Ersten Weltkrieg zerstreute sich die Schar der Studierenden in Rom im Oktober 1914.
Mit ihrer besten Freundin Miki Piré, die in Nizza im Hôpital du Grand-Hôtel Verwundete pflegte, arbeitete Lili Boulanger karitativ, indem sie mit musikalischen Soldaten rege Briefkontakte führte oder ihre im Feld entstandenen Werke korrigierte. Als sie spürte, wie sehr die Soldaten diese Aufmerksamkeit und Hilfestellungen brauchten, gründete sie gemeinsam mit ihrer Schwester Nadia Boulanger das Comité Franco-Americain du Conservatoire und überarbeitete nebenbei für Drucklegungen auch ihre älteren Werke. 1916 erfuhr Lili Boulanger von ihrem Arzt, dass ihre Krankheit sehr weit fortgeschritten sei und sie wohl nur noch knapp zwei Jahre zu leben hatte. Immer wieder überfielen sie große Schmerzen und Fieberschübe; eine Blinddarmoperation am 31. Juli 1917 sollte Linderung der Beschwerden bringen, aber das Gegenteil war der Fall: während der Operation stellten die Ärzte fest, dass ihr Darm bereits zu zerstört sei.
Aus ihrer Korrespondenz mit Miki Piré haben sich einige Briefe erhalten, die Lili Boulangers Liebe, Dankbarkeit und tapfere Haltung ausdrücken:
„27. September 1917. Meine liebe kleine Miki, zum ersten Mal seit meiner Operation komme ich wieder zum Schreiben – und meine allerersten Zeilen sollen für Dich sein, sollen Dir sagen, wie leer es hier ist ohne Dich und wie groß Dein Platz in meinem Herzen ist. (…) Und dann sollst Du noch einmal wissen, meine liebe kleine Miki, wie tief Dein Vertrauen mich bewegt hat – wie alles, was Du mir eröffnet hast, mich mit Schmerz erfüllt und gerührt hat. Treuer denn je ist Dir mein Herz und mir scheint sogar, dass das Leben selbst – mehr noch als die innigen Gefühle, die ich schon immer für Dich empfunden habe – mich zu Dir hinführt. Ich habe gleichsam die Gewissheit, Dein Schicksal klar gesehen zu haben, und dass die Stunde Deines Glücks, die noch aussteht, kommen wird – und ich wünsche so, dass Du Dir bis dahin Deine ganze Unschuld bewahrst und auch die Freude, die Dir jetzt abhanden gekommen ist. So bitte ich Dich mit aller Kraft, nicht nachzulassen, sondern zu kämpfen – und in den traurigen Stunden ein bisschen Mut zu schöpfen aus unserer Liebe für Dich – Sei umarmt L.B.“
Nur noch mit größter Mühe konnte sie sich einigermaßen aufrecht halten. Während dieser Zeit vollendete sie eines ihrer größten und bedeutendsten Werke, das Pie Jesu – gleichsam ihr eigenes Requiem – für Sopran, Streichquartett, Harfe, Orgel und Orchester, ihre Lieblingsinstrumente. Boulanger war körperlich so schwach geworden, dass sie die letzten Zeilen ihrer Schwester Nadia nur noch diktieren konnte. Auf diese Weise entstanden auch noch D’un soir triste und kleine Teile von La Princesse Maleine. Da Paris zu dieser Zeit im Norden und Osten unter starkem Artilleriebeschuss stand, beschlossen die Boulangers, Lili nach Mézy-sur-Seine zu bringen, wo sie von Miki Piré und Nadia Boulanger hingebungsvoll gepflegt wurde.
Lili Boulanger starb nach Schilderungen Nadias friedlich und gelöst am 15. März 1918. Am 19. März wurde sie auf dem Friedhof Montmartre bestattet. Zu ihrer Beerdigung verfasste Nadia das Werk Lux aeterna für Sopran, Streichinstrumente, Harfe und Orgel, das sie zu jedem sich jährenden Todestag aufführen ließ. Nadia Boulanger setzte sich unermüdlich für eine Aufführung der Werke ihrer Schwester ein, doch erst in den 1960er-Jahren wurden Lili Boulangers Werke mit Hilfe von Schallplattenaufnahmen wieder öffentlich bekannt. Marc Blitzstein, Autor der Zeitschrift Saturday Review, äußerte sich am 28. Mai 1960 über die Ersteinspielungen einiger Werke Lili Boulangers folgendermaßen:
„Wann können wir die Werke von Lili Boulanger endlich regelmäßig in unseren Konzertsälen hören? (…) Ein Verkaufserfolg für Plattenaufnahmen solcher Art wird sich natürlich erst dann einstellen, wenn die Musik immer wieder im Konzertsaal gespielt wird und es eine große Anhängerschar gibt (zu der ich mich unbedingt dazurechne). (…) Eine Komponistin unseres Jahrhunderts, die keiner kennt, die nicht mehr lebt, wie gut kann sie sein? Gut ist gar kein Ausdruck. Sie ist außergewöhnlich. Ohne Wenn und Aber, sie ist eine ganz besondere Begabung (…) ihre Musik ist männlich in ihrem ausgeprägt kraftvollen Charakter und äußerst weiblich in ihrer Reinheit und lyrischen Sensitivität. Honegger, Poulenc, Roussel, um nur drei zu nennen, die sie überlebten, verdanken ihr viel (…) Wir möchten mehr von ihr hören. Wir möchten wissen, was uns entgangen ist.“
Nadia Boulanger führte die Werke ihrer Schwester 1962 mit dem New York Philharmonic Orchestra auf, das sie bereits 1939 als erste Frau überhaupt dirigiert hatte. 1965 gründete sich die Vereinigung Les Amis de Lili Boulanger mit der Aufgabe, deren Werke bekannt zu machen und Stipendien an junge Komponisten zu vergeben. Am 16. August 1971 erhielt die Stiftung, zu deren Ehrenmitgliedern u. a. Königin Elisabeth von Belgien, George Auric, Marc Chagall, Marcel Dupré, Yehudi Menuhin, Olivier Messiaen, Darius Milhaud, Arthur Rubinstein und Igor Strawinsky zählten, die offizielle Anerkennung der französischen Regierung. Yehudi Menuhin und Clifford Curzon spielten auch erstmals Lilis Nocturne, Cortège und D’un Matin de Printemps ein. 1968 organisierte der Freundeskreis eine Ausstellung und einige Konzerte in der Bibliothèque nationale in Paris, in der sich auch Lili Boulangers künstlerischer Nachlass sowie einige persönliche Gegenstände befinden. Am 15. Oktober 1970 wurde die Kreuzung der Rue Ballu mit der Rue Vintimille Place Lili-Boulanger benannt. Zwei Jahre zuvor, am 17. Oktober 1968, war eine Gedenktafel am Wohnhaus der Boulangers angebracht worden, in dem Nadia Boulanger weiterlebte, unterrichtete und am 22. Oktober 1979 starb. Mittlerweile gilt Lili Boulanger als meistaufgeführte Komponistin und als eine der Hauptfiguren des französischen Impressionismus.
Der Asteroid (1181) Lilith wurde 1927 von seinem Entdecker Benjamin de Jekhowsky zu Ehren Lili Boulangers so benannt.
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